Dt. Übersetzung eines Interviews mit Nakatani Nio

hw presents

Grundsätzlich bin ich immer auf der Suche nach neuen Informationen bzgl. der Serien, an denen ich aktiv arbeite. Vor allem bei Yagate Kimi ni Naru ist das von Nöten, da die ersten fünf Kapitel (im Englischen) diverse Übersetzungsfehler aufweisen und ich mir demnach aus den verschiedensten Quellen eine korrekte Übersetzung heraussuchen muss.

Bei den Recherchen dazu bin ich nun über ein Interview mit der Autorin von Yagate Kimi Ni NaruNakatani Nio –  gestolpert, welches dem geneigten Leser ein paar wirklich interessante Einblicke in die Hintergründe der Produktion des Mangas gewährt. Das Interview wurde im Rahmen der Veröffentlichung des ersten Manga-Volumes in Angriff genommen und lässt sowohl die Autorin als auch den Herausgeber des Magazins zu Wort kommen.

Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Interview und hoffe, dass ihr es genauso interessant finden werdet!

Eines noch vorweg: Mir liegt als Quelle nur eine englische Übersetzung dieses Interviews (die Seite schaltet NSFW-Werbung, nur so am Rande) zu, welche jedoch ihrerseits aus dem Chinesischen übersetzt wurde. Demnach wird das Ding nun zum dritten Mal in eine andere Sprache übersetzt. Nur so als kleine Anmerkung. An dieser Stelle auch noch ein dickes Danke an tinatuna19, der/die das Interview ins Englische übersetzt hat!

Dann mal los:

Um Spoiler zu vermeiden werde ich ein paar ausgewählte Abschnitte erst dann veröffentlichen, wenn meine Scanlation den jeweils relevanten Punkt in der Story erreicht hat. Diese Abschnitte werden durch ein […] markiert und zu einem späteren Zeitpunkt hier reineditiert.

N = Nakatani Nio
H = Herausgeber
[] = Anmerkungen des Übersetzers

„Das monatlich erscheinende Magazin Dengeki Daioh hat vor Kurzem mit der Publizierung einer Liebesgeschichte zwischen Koito Yuu- die noch nie die Emotion ‚Liebe‘ erfahren hat – und Nanami Touko – einem populären Mitglied des Schülerrats – begonnen. Der erste Band  wird ab dem 24. Oktober [2015] in den Regalen stehen. Zur Feier dessen haben wir die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und sowohl die Autorin Nakatani Nio-sensei als auch den Herausgeber zu einem Interview eingeladen, in dem wir die Ansichten der Autorin zum Thema ‚Yuri‘ und den Reiz des Mangas an sich ergründen werden!“

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Der erste Band erscheint am 24 Oktober

  • Wie kamen sie dazu, Yagate Kimi ni Naru zu schreiben?

N: Zu der Zeit, als ich noch ausschließlich Doujinshis zeichnete, haben Leser anscheinend den Eindruck gewonnen, dass ich eine Yuri-Autorin sei. Bei meinen Doujinshis ging es mir jedoch nie wirklich darum, Liebesgeschichten zu erzählen, sodass ich mir nicht sicher war, ob meine Arbeiten wirklich als Yuri bezeichnet werden konnten. Ungefähr zu dieser Zeit habe ich dann beschlossen, alle Zügel fallen zu lassen und eine richtige Yuri-Story zu zeichnen. Kurz darauf wurde ich dann vom Herausgeber kontaktiert und gefragt, ob ich nicht etwas für Dengeki Daioh schreiben wollte.

H: Ich muss sagen, dass es mich wirklich überrascht hat zu erfahren, dass sie bereits mehrere Male sich küssende Frauen gezeichnet haben und das immer noch nicht als Yuri angesehen haben (lacht).

N: Jetzt wo sie es so sagen, habe ich wohl tatsächlich das ein oder andere Mal etwas in der Richtung gezeichnet. Ich habe packende und komplexe Liebesgeschichten schon immer gemocht, jedoch nie wirklich darüber nachgedacht ob das, was ich zeichne, jetzt Yuri ist oder nicht.

  • Eines der hervorstechenden Merkmale ist der Kontrast zwischen dem Aussehen und der Persönlichkeit der Charaktere.

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    Koito Yuu

  • Eines der auffälligsten Merkmale von Yuu ist ihre Haarantenne [auch bekannt als Ahoge, hier ein Beispiel]

N: Warum habe ich diese Antenne noch einmal gezeichnet? (lacht) Grundsätzlich wollte ich zwischen ihr und Touko eine gewisse Balance herstellen, sodass ich für sie bewusst ein eher niedliches Aussehen gewählt habe. Ihr äußeres Erscheinungsbild steht jedoch im Kontrast mit ihrer eher reservierten, coolen und ausgeglichenen Persönlichkeit. Sollte es mir gelungen sein, diesen Kontrast auch den Lesern zu vermitteln, würde mich das wirklich sehr freuen.

  • Stimmt! Auf den ersten Blick wirkt sie niedlich, jedoch versteckt sich im Inneren ein überraschend ruhiger, cooler und analytischer Charakter.

N: Ich mag solche Charaktere wirklich gerne. Anfangs kannte ich noch keine reale Person, die ich als Referenz für Yuu hätte heranziehen können. Zum Wohle dieses Projekts hat der Herausgeber jedoch viele reale Geschichten von Bekannten aus unserem Umfeld zusammengetragen. Darunter waren auch Erfahrungsberichte von Leuten, die noch nie in einer Beziehung waren und welche, die nie in einer sein wollen. All diese Referenzen haben mir sehr geholfen.

H: Wir hatten lange Zeit Schwierigkeiten damit, Yuus Persönlichkeit präzise darzustellen und wiederzugeben, was uns ernsthafte Sorgen bereitet hat. Glücklicherweise haben wir dann ein Mädchen kennengelernt, welches das Gefühl, in Jemanden verliebt zu sein, nicht verstehen und nachvollziehen konnte. Und dann traf es uns wie der Schlag: „Genauso muss Yuu sein!“ Nachdem sie uns ihr Einverständnis gegeben hatte, modellierten wir Yuus Charakter nach ihrem Vorbild. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Leser schon einmal in jemand Anderen verliebt war oder sich zumindest sehr zu einem Gegenüber hingezogen gefühlt hat. Und genau daher rührt auch die Schwierigkeit dem Leser das Gefühl der Indifferenz, des Verloren-seins, zu vermitteln. Nakatani-sensei ist es auf wundervolle Art und Weise gelungen, mithilfe von Metaphern Yuus Gefühlswelt wiederzugeben.

  • Welche Szenen mit Yuu gefallen Ihnen besonders?

[…]

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Nanami Touko

  • Was waren die ausschlaggebenden Punkte hinter Toukos Design?

N: Ich wollte einen Charakter erschaffen, der auf den ersten Blick als wunderschön und cool wahrgenommen wird. In der Konzeptphase hatte sie noch nicht so langes Haar, jedoch ist es im Laufe der Zeit immer länger geworden und sie sah immer mehr wie das Idealbild der zweiten Hauptprotagonistin aus, das ich im Kopf hatte. […] Es freut mich sehr, dass der Kontrast zwischen den beiden Hauptcharakteren vielen Lesern wirklich sehr zu gefallen scheint. Bitte achtet auch in Zukunft auf die feinen Nuancen der Persönlichkeiten, die sich hinter dem Äußeren verbergen.

  • Welche Szenen mit Touko gefallen Ihnen besonders?

[…]

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Saeki Sayaka

  • Was macht Sayakas Charakter aus?

N: Genau wie ihre beste Freundin Touko ist auch sie eine exzellente Schülerin, die in allen Fächern brilliert. Ich habe sie bewusst so designed, dass sie auf Augenhöhe neben Touko stehen kann und dennoch vollkommen anders aussieht. Auch wenn sie beide hochdekorierte Schülerinnen sind, ist Touko aufgrund ihrer leichten Art populärer, während Sayaka eine eher schwer zu fassende Aura ausstrahlt.

  • Wird es einen Konflikt zwischen Sayaka und Touko geben?

N: Wer weiß. Das werdet ihr wohl oder übel selbst herausfinden müssen. (lacht)

  • Jetzt mal eine Frage an den Herausgeber: Wie kommt es, dass Dengeki Daioh einen Yuri-Manga veröffentlicht? Manche Stimmen sagen, dass es eine willkommene Abwechslung für das Magazin darstellt.

H: Das habe ich auch schon des Öfteren gehört. Ich habe Yuri schon immer gemocht und mich schon seit Längerem gefragt, wann ich mal selber einen Yuri-Manga herausgeben werde.

N: Der Herausgeber ist wirklich sehr leidenschaftlich, wenn es um Yuri geht.

H: (räusper) Als mir Nakatani-sensei ihre Zustimmung gab, hatte ich sprichwörtlich nichts anderes als Yuri im Kopf. Während ich mich weiter in das Thema reinlas hatte ich eine Zeit lang sogar das Gefühl, dass jede Frau auf der Welt lesbisch sein müsste.

N: Und ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass der Herausgeber nicht mehr gerettet werden kann. Da ist Hopfen und Malz verloren.

H: Um ehrlich zu sein bin ich mit dieser Idee sogar ein gar nicht mal so geringes Risiko eingegangen. Schließlich hat Dengeki Daioh bisher noch nie ein Werk mit einer Liebesgeschichte zwischen Frauen als zentralem Fokus im Programm gehabt. Glücklicherweise hat auch mein Vorgesetzter diesem Projekt zugestimmt. Ich bin wirklich froh darüber, in einer Firma arbeiten zu können die immer offen für Neues ist.

  • Was macht ihrer Meinung nach den Reiz von Yuri aus?

H: Es hängt dabei auch immer viel davon ab, wie die Leute Yuri überhaupt definieren. Manchen reicht schon das Fehlen von männlichen Charakteren, andere ziehen eine Grenze sobald es um ernst gemeinte Liebe geht und dann gibt es noch welche, die nur die H-Szenen im Kopf haben. Für mich persönlich macht alleine schon die Tatsache, dass es sich um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen handelt, den Reiz aus – zumindest sehe ich das so.

N: Meiner Meinung nach hängt es von der Definition des Lesers ab. Wenn er sagt „dadurch ist es Yuri“, dann wird das Werk zu diesem Zeitpunkt Yuri. [Auch im Englischen hat ihre Antwort keine wirklich Relation zur Frage. Ich denke mal, dass da irgendetwas bei der Übersetzung aus dem Chinesischen schiefgelaufen ist, da auch die Antwort des Herausgebers sehr unklar formuliert wurde. Leider habe ich keine Möglichkeit das japanische Original zu überprüfen.]

  • Gerade weil das Magazin traditionell eher eine klassische Shounen-Audienz anspricht, kann es bestimmt dazu kommen, dass sich manche Leser diese Fragen stellen werden: „Mit wem soll ich mich denn identifizieren, wenn es keine männlichen Charaktere gibt?“

H: Grundsätzlich ist da nichts falsches dran. An dieser Stelle kann ich es aber es nur empfehlen, zumindest mal versuchen einen etwas anderen Blickwinkel anzunehmen. Meiner Meinung nach muss man sich nicht unbedingt mit den Charakteren identifizieren. Es kann auch ein sehr schönes Erlebnis sein, die Entwicklung ihrer Beziehung von Außen zu beobachten. In meinen Augen kann man Yuri-Manga auf diese Art und Weise sogar noch besser genießen.

  • Was genau bedeutet?

H: Das es sich durchaus lohnen kann, einen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen. […] Wobei es natürlich auch unsere Ziel ist, liebenswerte Charaktere zu erschaffen, deren Werdegang der Leser mit Freunden verfolgt und die er wirklich mag. Aus diesem Grund müssen wir dafür sorgen, dass der Leser in jedem von Ihnen Qualitäten erkennen kann.

N: Auch wenn es mich teilweise sehr unter Druck setzt, denke ich beim Zeichnen immer daran, Touko und Yuu so liebenswert wie möglich zu gestalten. Sollte mir dies gelingen, werde ich sehr glücklich sein.

  • Verstehe. Nakatani-sensei, hat es in der jüngeren Vergangenheit ein Yuri-Werk gegeben, dass Ihnen gefallen hat?

N: Mir hat der Anime Hibike! Euphonium wirklich richtig gut gefallen. Er hat quasi alles beinhaltet, was ich auch einmal gerne in Yuri machen würde. Teilweise habe ich mich sogar gefragt, wieso ich mir diesen Anime anschaue und gleichzeitig einen Yuri-Manga zeichne. Ein komisches Gefühl (lacht). [Ich vermute, dass hier auch ein leichter Übersetzungsfehler vorliegt und es eigentlich um ein bisschen was Anderes ging. Leider kann ich es auch hierbei nicht nachprüfen.] Während meiner Schulzeit war ich auch Teil unserer Big Band. In der Mittelschule habe ich die Posaune, in der Oberschule die Tuba gespielt. Der Anime erinnert mich an vielen Stellen an meine eigenen Erlebnisse in der Band. Aber auch das Detail, welches in die Illustration der Instrumente geflossen ist und welche man teilweise nur erkennt, wenn man die Instrumente selber mal gespielt hat, gefällt mir außerordentlich gut. Und die ganzen Yuri-Elemente sind quasi das I-Tüpfelchen. Dieser Anime trifft einfach voll meinen Geschmack. Danke an alle, die daran beteiligt waren!

(alle lachen)

[…]

Der Rest folgt zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich den ersten Band des Mangas abgeschlossen habe.

Ich finde es immer wieder interessant, mal einen Blick in den Kopf des Autors zu bekommen und zu erfahren, wie und warum er Sachen so macht, wie er sie eben macht. Gerade die Tatsache, dass Yuu auf einem realen Menschen basiert, fand ich wirklich interessant, wie auch so manche Ansichten der Autorin an sich. Ich habe noch ein paar andere Interviews mit ihr in der Hinterhand (die ich zu passend zum Fortschritt der Scanlation auch noch übersetzen werde) und ich muss sagen, dass ich wirklich sehr beeindruckt von ihr bin.

Sie hat ein paar sehr einzigartige Ansichten – gerade innerhalb dieses Subgenres – und ohne Zweifel einen sehr eigenen Stil, was Charakterentwicklung und Storytelling angeht. Kaum zu glauben, dass Yagate Kimi ni Naru ihr erster, richtiger Manga ist. Freut mich aber, dass das Ding ein wirklich großer Erfolg zu sein scheint. Sowohl die Autorin als auch der Manga an sich haben es wirklich verdient.

 

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Ein Gedanke zu „Dt. Übersetzung eines Interviews mit Nakatani Nio

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