Interview mit Nakatani Nio #2

Es ist mal wieder die Zeit für die deutsche Übersetzung eines Interviews mit Nakatani Nio, der Autorin von Bloom Into You, gekommen. Wie auch schon bei dem ersten Interview, das ich vor geraumer Zeit übersetzt habe, bietet auch dieses hier wieder sehr interessante Einblicke in den Entstehungsprozess des Mangas und die Gedanken und Ideen, die dort hineingeflossen sind.

In Japan wurde dieses Interview zu der Zeit veröffentlicht, als dort der zweite Band des Mangas herauskam. Alles in Allem wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen!

Nur eine Kleinigkeit noch vorweg: Als Grundlage für meine Übersetzung benutze ich die englische Übersetzung dieses Interviews (Vorsicht, die Seite schaltet NSFW-Werbung!). Anders als beim letzten Mal ist diese jedoch wesentlich akkurater, weswegen nicht mehr die gleichen Probleme wie beim ersten Interview auftreten sollten. An dieser Stelle uch noch mal ein riesiges Danke an Lyendith von dynasty-scans, der das Interview aus dem Japanischen ins Englische übersetzt hat. Aber dann genug der langen Vorrede, auf Los geht’s Los!

„Wir haben uns sehr darüber gefreut, eine kleine Gesprächsrunde mit Nakatani Nio, der Autorin von Yagate Kimi ni Naru, und Canno, der Autorin von Ano Ko ni Kiss to Shirayuri wo, abhalten zu können.

Dabei haben die beiden Autorinnen, die das gesamte Yuri-Genre auf ihren Schultern zu tragen scheinen, sehr offen mit uns über ihre Faszinierung für das Thema Yuri, ihre Arbeitsweise und -ethik und ihre Lieblingswerke aus dem Genre geredet:

  • Das heutige Gespräch wäre ohne Ihre Beteiligung niemals möglich gewesen. Deswegen möchte ich mich herzlichst bei Ihnen dafür bedanken, dass sie sich trotz ihrer vollen Terminpläne die Zeit dafür genommen haben. Treffen sie Beide sich heute zum ersten Mal?

Nakatani Nio: Da wir uns bereits vor ein paar Tagen beim Yuri-ten-Event in Ikebukuro getroffen haben, ist es tatsächlich unser zweites Treffen.

Canno: Da die Art und Weise, mit der Nakatani-san ihre Mangas umgesetzt hat, nur als cool beschrieben werden kann, war ich auch immer fest davon überzeugt, dass sie selber auch ähnlich cool sein müsste. Als wir uns dann trafen, wurde mir klar, dass ich zwar Recht hatte, sie aber zusätzlich auch noch eine sehr freundliche und absolut reizende junge Frau ist.

NN: Wirklich? Was hat es denn jetzt damit auf sich? (lacht) Tatsächlich kannte ich Sie aber schon wesentlich länger, wenn auch nur indirekt. Ich habe mir bei verschiedenen Events immer Ihre Doujinshis gekauft, von daher war ich mit Ihrem Werk durchaus vertraut.

C: Dem kann ich mich nur anschließen. Ich habe Ihre Doujinshis bereits aktiv gelesen, als Yagate Kimi ni Naru (YagaKimi) noch nicht einmal begonnen hatte. Damals war ich mir nicht sicher, in welchem Genre sie überhaupt schreibt, aber eine Bonus-Seite von Melonbooks hatte ihre Arbeiten als „Der absolute Wahnsinn!“ beschrieben, weswegen ich sie mir einfach mal gekauft habe.

  • Also hatten Sie schon von ihrem Gegenüber gehört gehabt, bevor ihre Werke offiziell verlegt wurde. Dürfte ich sie nun fragen, was ihr Interesse an Yuri geweckt hat, Canno-san?

C:  Schätze mal, dass es bei mir die Roman-Reihe Maria-sama ga miteru (MariMite) [In Deutschland: Rosen unter Marias Obhut] war, die ich zu meiner Oberschulzeit gelesen habe. Vorher hatte ich mir nicht wirklich was aus dem Genre gemacht, aber nachdem ich ihn gelesen hatte, war ich Feuer und Flamme dafür.

NN: Die Einstiegsdroge schlechthin, hehe! Welches Päärchen hat Ihnen am Besten gefallen?

C: Mein Lieblingscharakter ist Yoshino aus der Yellow Rose-Familie, und ich habe sie wie verrückt mit Rei-chan geshipped. Haben sie auch MariMite gelesen, Nakatani-san?

NN: Da es als Meilenstein für das Yuri-Genre gilt, habe ich tatsächlich das erste Buch gelesen, mehr aber noch nicht. Es hat mir wirklich gefallen, aber leider habe ich nicht wirklich genügend Zeit, um nebenbei noch aktiv Romane zu lesen. Deswegen begnüge ich mich damit, es eher langsam angehen zu lassen.

C: Sie sollten auf jeden Fall bis zum zehnten Band („Rainy Blue„) lesen.

NN: Ich habe mich immer gewundert, was es mit dieser „lies nur bis Rainy Blue!“-Attitüde von Yuri-Fans auf sich hatte …

C: Ach, machen sie sich darum keine Sorgen. Lesen sie einfach bis dahin, und gut ist.

NN: Alles klar, werde ich machen.

C: Und wie sieht es bei Ihnen aus? Haben sie sich in letzter Zeit für eine Yuri-Serie begeistern können?

NN: In meinem letzten Interview habe ich noch gesagt, dass mir Hibike! Euphonium sehr gut gefallen würde. Danach habe ich jedoch des Öfteren zu hören gekriegt, dass es doch überhaupt keine Yuri-Serie sei. Für mich hat es jedoch Unmengen an Szenen mit einem eindeutigen Yuri-Vibe enthalten, weswegen ich mir nie größere Gedanken darum gemacht habe.
Natürlich kann die Serie als Ganzes nicht als Yuri bezeichnet werden, aber darum geht es mir auch gar nicht. Für mich hat es deswegen gezählt, weil ich an vielen, vielen Stellen Yuri spüren konnte.

C: Ja, das kenne ich. Wie zum Beispiel bei Precure: Für mich ist es eine wahre Goldmine, was Yuri angeht. Und in meiner absoluten Lieblingsstaffel, Doki! Doki!, gibt es so ein Mädchen namens Hishikawa Rikka

NN: Ohhh, genau, Hishikawa!

C: Sie ist der Partner von Aida Mana, der Hauptprotagonistin, aber als diese auch noch Beziehungen zu anderen Charakteren aufbaut, wird Rikka unruhig und eifersüchtig. Wenn man die Serie als Kind geschaut hat, hat man durchaus gedacht, dass es etwas vollkommen Normales sei, so für eine Freundin zu empfinden, aber jetzt als Erwachsene springt einem das Yuri quasi geradezu ins Gesicht!

NN: Ahaha! Macht es Ihnen also mehr Spaß, nach Yuri in Mainstream-Werken zu suchen als dedizierte Yuri-Serien zu lesen?

C: Ich würde schon sagen, dass es dazu in der letzten Zeit gekommen ist, ja. Früher habe ich nur Mangas gelesen, von denen ich wusste, dass sie Yuri waren. Wie zum Beispiel die vom Yuri-hime-Magazin. Aber schon seit geraumer Zeit halte ich auch nach Yuri in Werken Ausschau, die eben nicht von Anfang an als Yuri klassifiziert wurden.

NN: Hat es damit angefangen, als sie begonnen haben, AnoKiss zu zeichnen?

C: Hmm, das ist eine gute Frage. Allgemein würde ich eher sagen, dass sich mit zunehmendem Alter mein Interesse an extrem ernsten und düsteren Arbeiten quasi komplett verabschiedet hat. Vielleicht hat es demnach weniger etwas mit AnoKiss zu tun, sondern eher damit, dass ich einfach alt werde (lacht).

NN: Seitdem ich damit angefangen habe, Yuri-Manga zu zeichnen, bin ich wesentlich aufmerksamer geworden, was andere Werke aus diesem Subgenre angeht. Wie sieht es bei Ihnen aus, Canno-san? Wurde ihre Spürnase für Yuri durch das Zeichnen von AnoKiss auch wesentlich feiner?

C: Gar nicht mal so sehr, würde ich sagen. Mir haben gleichgeschlechtliche Beziehungen schon immer gefallen, selbst bevor ich mit dem Yuri-Virus infiziert wurde. Demnach hat sich dahingehend nicht viel geändert, wenn man mal davon absieht, dass diese ganzen typischen „Mädchenserien“ auf einmal ganz plötzlich voller Yuri waren.

NN: Mir geht es ähnlich. Demnach ist es nicht unbedingt Yuri, was sie so sehr mögen, sondern Shipping an sich, nicht wahr?

C: Oh Gott ja, das liebe ich. Und schließlich gibt es auch eine Menge Leute, die sowohl Yuri als auch Yaoi mögen, oder nicht?

  • Wie kam es dann dazu, dass sie Yuri und nicht Yaoi schreiben?

C: Ich liebe es einfach, Mimik und Gesichtsausdrücke im Allgemeinen zu zeichnen. Und gerade wenn es darum geht, sie so expressiv wir nur möglich wirken zu lassen, macht es mir bei Mädchen noch einmal wesentlich mehr Spaß als bei Jungs. Und wenn es zwei Mädchen sind, wird der Spaß quasi verdoppelt (lacht).
Wobei es mir gar nicht mal so sehr unbedingt um romantische Beziehungen geht. Mir gefallen auch uneindeutige Beziehungen sehr gut, die durchaus romantisch sein können, es aber nicht unbedingt sein müssen. Aber wenn ich so eine Beziehung zwischen einem Mädchen und einem Jungen schreibe, dann geht sofort jeder davon aus, dass es sich dabei um eine romantische Beziehung handeln muss. Mit zwei Mädchen hingegen ist das Ganze nicht so eindeutig. Schätze mal, dass es mit zwei Jungs nicht anders wäre, aber wie ich bereits sagte, macht es mir einfach mehr Spaß Mädchen zu zeichnen, von daher … (lacht)

NN: Da fällt mir gerade ein, dass die Charaktere in AnoKiss quasi nie Worte wie Liebe oder romantisch nutzen. Ist das demnach Absicht?

C: Vielleicht weniger Absicht, als eher ein Ausdruck dessen, was ich gerade beschrieben habe, schätze ich mal. Und wie ist es bei Ihnen, Nakatani-san? Warum schreiben sie Yuri-Mangas?

NN: Ich dachte mir nur so: „Wenn ein süßes Mädel süße Dinge mit einem anderen süßen Mädel macht, wird das Ganze wirklich verdammt süß.“

C: Also geht es Ihnen genauso wie mir, haha! (lacht)

NN: Auch wenn Sie es wesentlich eloquenter beschrieben haben. (lacht)

C: Aber in YagaKimi gibt es mit Maki-kun doch eindeutig einen Jungen, nicht wahr? Wie kam es dazu? Wollten sie es nicht vermeiden, Jungs in einen Yuri-Manga einzubauen?

NN: Nein, nicht wirklich. In einem Interview für Dengeki Online habe ich bereits gesagt, dass ich es mag, wenn es in solchen Geschichten männliche Charaktere gibt. Dadurch wird nämlich impliziert, dass sich die Mädels nicht in andere Mädels verlieben, weil es keine Jungs gibt, sondern dass sie es auch dann tun, wenn auch rein theoretisch Jungs zur Auswahl stehen würden.
Des Weiteren wollte ich auch noch zum Ausdruck bringen, dass es nicht nur Mädchen gibt, die sich nur in andere Mädchen verlieben können, sondern dass es auch welche gibt, die Gefühle für einen Menschen entwickeln können, der rein zufällig in diesem Falle auch weiblich ist.
Das wollte ich zu einem gewissen Teil in den Persönlichkeiten der Charaktere wiedergeben, und ich glaube nicht, dass mir das ohne die Präsenz von männlichen Charakteren gelungen wäre. Was ist ihre Meinung dazu, Canno-san? Was halten Sie von den männlichen Charakteren von YagaKimi?

C: Da Maki-kun nicht wirklich in die romantischen Beziehungen involviert ist, habe ich ihm keine große Beachtung geschenkt, vollkommen unabhängig davon, was für ein Geschlecht er jetzt nun ist. Wenn er jetzt aktiv hinter Nanami-senpai oder Yuu-chan her gewesen wäre, hätte ich mir vermutlich gedacht „Hey, was hat ein Kerl hier zu suchen?„, aber da es bisher keinerlei Anzeichen dafür gibt, mache ich mir nichts daraus.

NN: Verstehe. Das ist durch eine interessante Sichtweise.

C: So, wie es bis jetzt ist, kann ich Maki-kun nur als uke sehen, während Doujima-kun der seme ist.

NN: Vielen Dank für Ihre Einsi… Moment, wie bitte?! (lacht) In AnoKiss hingegen gibt es keine Spur von männlichen Charakteren, wenn mich nicht alles täuscht.

C: Ja, genau. Ich habe mich direkt von Anfang dafür entschieden, keine männlichen Charaktere einzubauen.

NN: Das Wort yuri in den Titel Ihres Mangas zu schreiben, hat bestimmt auch eine Menge Mut gekostet, nicht wahr?

C: Ich hatte ein bisschen die Befürchtung, dass es nicht die richtigen Leser bzw. die richtige Zielgruppe erreichen könnte, wenn es nicht direkt von Anfang quasi „ICH BIN YURI!“ schreien würde. Und diese Information wollte ich unbedingt vermitteln. Da es bei dem Manga hauptsächlich um yuri und kiss [engl. für Kuss] gehen sollte,  habe ich nach einem Titel gesucht, der gut klingt und eben diese beiden Worte beinhaltet. Schlussendlich habe ich mich dann für Ano Ko ni Kiss to Shirayuri wo entschieden. Wie haben Sie sich für Yagate Kimi ni Naru entschieden?

NN: Ich habe mir lange, lange Zeit Gedanken um den Titel und seine Bedeutung gemacht, aber selbst bei den ersten Prototypen hatte ich immer einen ausgewählt, der so das gewisse Yuri-Flair verbreitet hat. Als dann der erste Band herauskam, war ich sehr darauf bedacht, die Yuri-Fans da draußen anzusprechen. Deswegen habe ich mich zum Beispiel auch für ein Cover entschieden, bei dem sich zwei Mädels gegenseitig in die Augen schauen.

C: Aber auf den finalen Titeln trifft das doch nicht unbedingt zu, oder?

NN: Durchaus, auch wenn mir bereits eine Menge Yuri-Fans gesagt haben, dass sich „Eines Tages, werde ich du sein“ doch sehr nach Yuri anhören würde. Andererseits gab es auch Stimmen die besagt haben, dass es sich eher nach einer Story anhört, bei der es darum gehen würde, den Platz einer anderen Person zu übernehmen.

C: Wie bei einer richtigen Horror-Story: „Ich werde mir nach und nach dein ganzes Dasein aneignen und du kannst nichts dagegen tun …“ (lacht)

NN: Ja, genau! (lacht) Aber da fällt mir gerade ein: Wenn ich mich recht entsinne, gibt es in AnoKiss in jedem Kapitel einen Kuss, oder?

C: Allerdings. Mein Herausgeber hat mir gesagt, dass ich in jedes Kapitel eine Kussszene einbauen soll, um jedes Mal ein kleines Highlight zu erschaffen. Schließlich kann es durchaus sein, dass sich die Kussszenen bei einem Yuri-Manga als das ausschlaggebendste Verkaufsargument herausstellen können. Wurde mir zumindest so gesagt. (lacht)

NN: Och, das kann ich mir schon vorstellen. Aber demnach machen sie sich bestimmt auch eine Menge Gedanken darüber, wann und wo sie den Kuss schlussendlich im Kapitel  einsetzen, schätze ich mal?

C: Meiner Meinung nach ist die Platzierung eines Kusses extrem wichtig, weswegen ich sie nie einfach nur zufällig einbaue, das stimmt. Mein Herausgeber hat sogar extra eine Excel-Datei angelegt, bei der genau protokolliert wird, wer wen wann wo und wie geküsst hat. Wie zum Beispiel im dritten Band: „Kuss auf den Fuß, signalisiert Unterwerfung„, und so weiter und so fort. (lacht)

NN: Eine Kuss-Liste, davon habe ich auch noch nicht gehört. Auch wenn es ein bisschen die Magie herausnimmt, wenn sie Excel sagen … (lacht)

C: Das hat aber auch seine Nachteile. Durch die Liste wissen wir genau, dass wir bei Kapitel 20 so gut wie keine Körperteile mehr übrig haben werden, die noch geküsst werden können. (lacht)

NN: Ich schätze mal schon, dass es extrem wichtig ist, das richtige Maß an Variation bei den Küssen zu haben. In meinem Manga gab es bisher erst zwei richtige Kussszenen, aber trotzdem hatte ich jedes Mal eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, die mir andauernd etwas in Richtung von „Hier, das hier, genau das hier, das ist das Highlight“ gepredigt hat. Und genau deswegen habe ich bei diesem Szenen auch mein absolut Bestes gegeben. Das ist ein bisschen wie bei einem Fighting Game, bei dem man auch genau den richtigen Moment abpassen muss, damit die Spezialattacke auch genau sitzt und richtig hart trifft.

  • Nakatani-san, kannten sie AnoKiss bereits, als mit der Arbeit an YagaKimi begonnen haben?

NN: Nunja, wenn man ernsthaft etwas in Richtung Yuri zeichnen möchte, kommt man um AnoKiss quasi nicht drum herum. Tatsächlich habe ich es zur Vorbereitung sehr genau studiert. Aber davon mal komplett abgesehen habe ich mir beim ersten Mal, als ich einen Band aufgeschlagen habe, nur voller Staunen gedacht: „Wow, dieser Autor ist gut!“ (lacht)

C: Nie im Leben! Aber vielen, vielen Dank! (lacht)

NN: Für mich war es sehr erfrischend einen Yuri-Manga zu sehen, der nicht im typischen Shoujo-Stil gezeichnet wurde. Klar, es geht natürlich primär um Liebe und so, aber gerade was die harte Linienarbeit, die Mimik oder das Panel-Layout angeht, hat es mich doch eher an Shounen erinnert. Da ich in meinen eigenen Zeichnungen viel mit Shounen-Elementen arbeite, wurde ich das Gefühl nicht los, dass wir was das angeht durchaus etwas gemeinsam haben.

C: Als ich aufgewachsen bin, habe ich nie wirklich viel Shounen-Manga gelesen, sondern fast nur Shoujo-Werke. Trotzdem würde ich Ihnen da Recht geben wollen, da sich mein Stil doch recht stark vom normalen Shoujo-Stil unterscheidet. Demnach stimme ich Ihnen da zu.

NN: Meiner Meinung nach ist es dadurch wesentlich angenehmer und einfacher zu lesen. Von daher bin ich ziemlich froh, dass es einen Yuri-Manga in diesem Stil gibt!

C: Als ich das erste Kapitel von YagaKimi gelesen habe, hat mir der Stil wirklich extrem gut gefallen. Und als Yuu-chan dann auf das Geständnis von ihrem alten Freund antworten sollte und ich mich fragte, was für eine Yuri-Story sich wohl daraus entwickeln würde, war ich mehr als nur interessiert, sondern regelrecht begeistert.
Nachdem ich dann den ersten Band abgeschlossen hatte, habe ich sowohl Nanami-senpais Bemühungen unterstützt als auch mit Yuu-chan sympathisiert, die das Gefühl, verliebt zu sein, einfach nicht empfinden konnte.
Interessanterweise hätte ich glaube ich sogar ein bisschen Angst vor Nanami-senpai, wenn ich in Yuu-chans Schuhen stecken würde. Egal wie oft sie auch sagt, dass sie diese Gefühle nicht nachvollziehen kann, hält das Nanami-senpai nicht davon ab, immer intimer werden zu wollen. Und dann trotzdem zu sehen, wie Yuu-chan sie dennoch mit offenen Armen akzeptiert, hat mir erst verdeutlicht, was für ein großes Herz sie doch hat.

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NN: Verstehe, verstehe. (lacht)

C: Aber trotzdem kann ich nicht anders, als Nanami-senpai anzufeuern: „Komm schon, du schaffst das!“ Fast so, als ob ich noch ein bisschen mehr Öl ins Yuri-Feuer gießen wollen würde. (lacht) Deswegen hat mir auch das Kapitel so extrem gut gefallen, in dem sie Yuu-chan zu Hause besucht hat! Schätze mal, dass kein Mädchen davor gefeit ist, unglaublich nervös zu werden, wenn sie das Zimmer des Mädchens, in das sie sich verliebt hat, zum ersten Mal besucht.

NN: Das freut mich doch zu hören. (lacht)

C: Außerdem bin ich auch noch ziemlich an Saeki-senpai interessiert. Als Nanami-senpai Yuu-chan und eben nicht sie darum gebeten hat, ihr beim Wahlkampf zu helfen, konnte man eindeutig sehen, dass sie durchaus misstrauisch wurde. Und liebe einfach diese Art von Entwicklungen in Storys, wenn die Dinge ein bisschen komplizierter werden. (lacht)

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NN: Ah, Sie mögen es also, wenn es mal zu kleineren oder größeren Komplikationen kommt! Ich persönlich liebe ja Towako aus AnoKiss. (lacht)
Manchmal habe ich selber das Gefühl, dass ich keine Story ohne Drama schreiben kann, aber dennoch hat es mich ein bisschen überrascht, mit ihr einen Charakter zu sehen, der Probleme mit sich brachte. Gerade in einem eigentlich so ruhigen und warmen Manga wie AnoKiss.
Mit am Meisten hat mich noch Ihre Fähigkeit beeindruckt, unglaublich schwierige Emotionen zeichnen zu können und sie dennoch mehr als eindeutig zu kommunizieren.

C: Bei AnoKiss habe ich mir selber das Ziel gesetzt, jeden Story-Arc innerhalb eines einzelnen Bandes bzw. innerhalb von fünf Kapiteln abzuschließen. Demnach kann ich nicht zu viele Komplikationen einbauen, wodurch mir das Schreiben des dritten Bandes, in dem Towako zum ersten Mal auftauchte, auch relativ schwer fiel. Einfach aus dem Grunde, dass sie für mehr Drama als normal sorgte. Aber genau deswegen liebe ich auch Charaktere in dieser Position, wie eben Saeki-senpai … Aber naja, da ich anfangs ja bereits angemerkt habe, wie sehr ich doch Hishikawa aus Doki! Doki! Precure mochte, sollte das wohl Niemanden mehr überraschen. (lacht)

NN: Mir wurde schon öfter etwas in Richtung „Sayaka = Hishikawa“ gesagt, aber amüsanterweise hat Kotobuki Minako-san, die Sprecherin von Hishikawa, im TV-Spot von YagaKimi niemand Anderen als Touko gesprochen.

C: Genau! Deswegen habe ich beim Schauen des Spots auch voller Stolz verkündet: „Das ist Kotobuki-san, wuuuhuuuu!“ (lacht)

  • Wie haben sie sich gefühlt, als sie Ihre Charaktere zum ersten Mal sprechen gehört haben?

NN: Ihre Stimmen waren quasi genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ich hatte mir zwar vorher zwar nicht wirklich ein genaues Bild ihrer Stimmen gemacht, aber seit ich sie zum ersten Mal gehört habe, sind es genau die, die ich auch immer in meinem Kopf höre, wenn ich an den Storyboards arbeite.
AnoKiss hat ja sogar schon ein paar Drama CDs bekommen, was war Ihr Eindruck davon?

C: Dazu muss ich zunächst einmal vorweg sagen, dass es von Anfang an Charaktere gab, die in meinem Kopf bereits eine Stimme hatten. Ebenso gab es jedoch auch welche, bei denen das nicht der Fall war. Grundsätzlich war ich jedoch sehr glücklich darüber, dass nun auch meine Leser ihre Stimmen hören konnten. Und bei den Charakteren, denen ich im Vorfeld keine Stimme gegeben hatte, hat es sich sehr erfrischend angefühlt. So ganz nach dem Motto: „Ahh, so klingen ihre Stimmen also.

C: Ich finde Ihren visuellen Stil wirklich unglaublich schön, aber dennoch muss ich sie fragen: Haben sie Assistenten eingestellt?

NN: Nein, ich arbeite komplett alleine.

C: Wollen Sie damit etwa sagen, dass sie wirklich alles alleine zeichnen? Selbst die ganzen Hintergründe und alles? Wow, das ist schon beeindruckend …

NN:  Wie sieht es bei Ihnen aus, Canno-san?

C: Ab und zu helfen mir ein paar Freunde aus, aber im Großen und Ganzen arbeite ich auch alleine. Um ehrlich zu sein, macht es mich sehr nervös mit anderen Leuten zusammen Mangas zu zeichnen … Schätze mal, dass ich einfach ziemlich schüchtern bin und so. (lacht)

NN: Oh, glauben Sie mir, das Gefühl kenne ich! Ich bin auch ziemlich, ziemlich schüchtern … Und da eine ziemliche Niete in zwischenmenschlicher Kommunikation bin, ist es für mich einfach angenehmer, meine gesamte Arbeit selber zu organisieren und zu machen. Auch wenn ich mir durchaus im Klaren darüber bin, dass das nicht unbedingt etwas Gutes ist, wenn es um das Zeichnen eines Mangas geht.

C: Eine wirklich gut durchdachte Aussage.

NN: Mag sein, aber das, was ich eigentlich sage, ist dann doch eher kindisch. (lacht) „Buhu, ich kann nicht mit Leuten reden, also komme ich schon alleine klar.“ (lacht)

C: Ahaha!

NN: Ihr visueller Stil ist aber auch ziemlich beeindruckend. Gerade die Hintergründe von AnoKiss sind voller Details und wunderschön herausgearbeitet.

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C: Man kann durchaus sagen, dass ich so etwas wie eine Angst vor der Leere habe, weswegen ich immer mein Möglichstes tue, jede leere Stelle mit Inhalt zu füllen. Interessanterweise kommt es mir bei Ihrem Stil jedoch so vor, als ob die Leere ein integraler Bestandteil der Bildkomposition sei, was mir auch extrem gut gefällt.

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NN: Vielen, vielen Dank! Ich hätte da noch eine Frage, was AnoKiss angeht: Auf dem Cover des ersten Kapitels sind sehr viele Charaktere zu sehen. Einer von ihnen, Machida Kaoru, taucht jedoch erst im vierten Band auf. Da sie eine Ensemble-Story schreiben, würde es mich sehr interessieren, wie weit sie schon im Voraus geplant haben.

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C: Kaoru ist tatsächlich eine Ausnahme, was das angeht. Ich hatte quasi schon von Anfang an vor, sie in den Manga einzubauen (und hatte mir sogar schon ein Kapitel dafür ausgedacht), jedoch war sie nie meine Top-Priorität. Das war dann auch der Grund dafür, dass sie erst so spät eingeführt wurde. Wenn der Manga bereits nach zwei oder drei Bänden zu Ende gewesen wäre, hätte sie demnach auch nie das Licht der Welt erblickt. Um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich plane nicht wirklich weit voraus. (lacht)

NN: Das ist interessant. Da der Gartenclub- und Astronomie-Arc so einen natürlich Fluss hatten, hätte ich jetzt eher gedacht, dass das alles schon von Beginn an so geplant geworden wäre.

C: Tatsächlich ist die weitere Entwicklung meistens reiner Zufall. Aber wenn es sich trotzdem gut durchdacht anfühlt, dann umso besser. (lacht)

  • Uns freut es sehr zu sehen, dass sie Beide so aktiv ins Gespräch gekommen sind. Wie war es für Sie?

NN: Da ich schon seit Längerem ein Fan von ihr war, komme ich mir fast ein bisschen vorlaut vor, dass ich so salopp mit ihr gesprochen habe.

C:  Aber nicht doch. Ich habe zu danken, wirklich. YagaKimi ist mindestens genauso cool, wie Sie es als Person auch sind, weswegen ich schon die Befürchtung hatte, dass meine Mangas für Sie zu albern und leichtfertig seien. Glücklicherweise sind sie aber sehr freundlich und zuvorkommend. (lacht)

NN: Albern und leichtfertig? Aber nicht doch, nie im Leben! Ich bin wirklich unendlich dankbar dafür, dass ich heute über alles Mögliche mit Ihnen sprechen konnte. Auch wenn AnoKiss und YagaKimi beides Yuri-Mangas sein mögen, unterscheiden sie sich dennoch an vielen Stellen massivst voneinander. Umso mehr hat es mich gefreut, wir Beide doch viel gemein hatten, Canno-san.
Ich werde mit YagaKimi mein Bestes geben, damit es nicht gegen AnoKiss verlieren wird. Und Ihnen wünsche ich alles Gute!

  • Wir möchten uns abschließend auch noch einmal bei ihnen Beiden bedanken. Vielen Dank für diese Gelegenheit.
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Ein Gedanke zu „Interview mit Nakatani Nio #2

  1. Vielen Dank für deine Mühen und ein sehr interresantes Interview. Ich habe den manga gerne von euch gelesen, freue mich aber das er bald offiziel in Deutschland erscheint.

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